Start BTW13 Thorsten Hoffmann Straßenprostitution in Dortmund. Was tun? Thorsten Hoffmann gibt eine Einschätzung

Straßenprostitution in Dortmund. Was tun? Thorsten Hoffmann gibt eine Einschätzung

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Thorsten Hoffmann groß

Der Straßenstrich an der Ravensberger Straße ist seit dem Frühjahr 2011 Geschichte. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat die Sperrbezirksverordnung für diesen Bereich bestätigt. Die Argumente in Richtung Jungendschutz und öffentlicher Anstand haben hier den Ausschlag gegeben. Diese Begründung konnte aber nach Ansicht des Gerichtes nicht nachhaltig für ganz Dortmund gelten und aus diesem Grunde dürfte „Danny“ nach Erlangen der Rechtskraft des Urteils wieder in einigen Bereichen Dortmunds auf der Straße der Prostitution nachgehen. Als Kriminalbeamter habe ich im Rahmen meiner 34-jährigen Zugehörigkeit zur Polizei allein 14 Jahre in der „Dortmunder Szene“ gearbeitet und kenne aus diesem Grunde das Prostituiertenmilieu genau. Aus Sicht der Polizei gab es 2011 keine andere kurzfristige Möglichkeit, die weitere negative Entwicklung in der Nordstadt zu stoppen, als die Idee zu verfolgen, ganz Dortmund zu einem Sperrbezirk zu erklären. Gerade die Nordstadt mit ihren vielen Entfaltungschancen und der bunten Vielfalt an positiven Möglichkeiten einer Entwicklung zu einem Stadtteil mit Ausstrahlung, stand vor immer größeren Problemen. Die hervorragende Infrastruktur für dort arbeitende Prostituierte potenzierte die Anzahl der Prostituierten auf  bis zu 700 gezählten Frauen, die auf der Ravensberger Straße und in der Umgebung ihrer Arbeit nachgingen. Die Nähe vom Wohnort zum Arbeitsort waren die größten Vorteile, die die dortige Prostitution beflügelte.

Aktuell werden auf den Straßen im Norden der Stadt seitens der Polizei und der Stadt noch zwischen 25 – 35 Prostituierte, die dort weiterhin ihrer Arbeit nachgehen, wahrgenommen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass 2 bis 3mal so viele in dortigen Häusern ebenfalls weiterhin dem Geschäft nachgehen. Diese verabreden sich nicht auf der Straße, sondern über das Telefon und in einigen Fällen über das Internet. Hier ist eine Kontrolle durch Polizei und Stadt nur unter extrem schwierigen Bedingungen möglich. So ist der aktuelle Stand. Und was passiert jetzt? Das ist eine spannende Frage. Derzeit ist das Urteil des Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen noch nicht rechtskräftig, aber die Zeit läuft. Was ist jetzt zu tun? Für mich steht fest, dass sich die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei weiter sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen sollte. Wäre es vernünftig, eine geeignete Stelle für die Straßenprostitution innerhalb der Stadt zu suchen? Die Bezirksbürgermeister stemmen sich dagegen. Den richtigen Weg im Vorfeld zu finden ist sehr schwierig. Hinzu kommt eine gewisse Unsicherheit, die mit dem Datum des 01.01.14 zusammenhängt. Dann gilt die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für bulgarische und rumänische Bürger. Soll man also abwarten? Ich würde das nicht tun. Meiner Meinung nach ist es besser, eine aus ordnungsrechtlicher Sicht geeignete Stelle vorzugeben, die auf der einen Seite Kontrollmöglichkeiten erleichtert und auf der anderen Seite den Prostituierten Sicherheit vor möglichen Übergriffen gibt. Wir werden sehen, was passiert. Aber vielleicht gewinnen die Verantwortlichen ja auch noch ein wenig Zeit, wenn das gerichtliche Verfahren doch noch weitergehen sollte.